Archiv für Oktober, 2012

Von Birgit Manzke

Seit der brutalen Verhaftung des Menschenrechtlers Yacine Zaid am 1.10., kommt das größte Land Afrikas nicht zur Ruhe und auch das Ausland blickt nach Algerien. Bereits am 2.10. berichtete Al Jazeera über die Umstände seiner Verhaftung und über den Tag verteilt hagelte es Pressemeldungen aus aller Welt, die sich im rasenden Tempo über Facebook verbreiteten. Die Washington Post berichtete,  sowie Zeitungen aus Angola, Mexiko, Spanien und Frankreich – die deutschen Medien jedoch schwiegen, obwohl sie einen algerischen ZDF-Reporter vor Ort haben. Am 4.10. wurde sowohl vor dem algerischen Justizministerium demonstriert, als auch vor der UNO-Vertretung und selbst in Paris vor der algerischen Botschaft zeigte man Flagge für Yacine Zaid. Yacine Zaid hat die Herzen der Menschen rund um den Globus erreicht, er ist ein wahrer Friedensengel. Niemals stellte er sich mit seinen Aktivitäten auf die Seite irgendeiner Partei, sondern hatte stets ein Ohr für wichtigeres – für leidende Menschen! In vielen seiner Youtube-Videos kann man ihn sehen, wie er Menschen hilft, wie er Hungernden Essen reicht, wie er Wohnungslosen Wohnraum besorgt. 23 Familienväter demonstrierten am 3.10. für ihn in Bejaia, Väter, die durch Yacines Hilfe ein Dach über dem Kopf haben. Das Internet ist seit Herrn Zaids Verhaftung für viele Algerier eingeschränkt und nach den Demonstrationen am 4.10. ist kaum noch ein Aktivist via Internet erreichbar. Der ZDF-Korrespondent  Zouheir Ait Mouhoub rief in seiner heutigen Statusmeldung seine Kollegen auf, ihren Schreibtisch zu verlassen und vom Geschehen auf der Straße zu berichten. Gestern hatte er den Heimatort von Yacine Zaid Laghouat verlassen, weil die Situation zu bedrohlich wurde. Auch in Hassi Messaoud und Ouargla wird demonstriert… eigentlich sind Demonstrationen in ganz Algerien zu verzeichnen. Wie brutal die Polizei wieder einmal gegen Demonstranten vorgeht, belegt dieses Foto vom 4.10. aus Algier. Vieles erinnert an die Situation in der Nacht vom 4 auf den 5.10.1988 in Algier, als es spontan zu großen Ausschreitungen kam, die sich anschließend über das ganze Land erstreckten. Die Regierung war überfordert, denn niemand hatte damals mit so was gerechnet. Heute beugt man vor und kappt vorsorglich das Internet, damit keine Informationen herausdringen. Als Rückblick ist anzumerken, warum Yacine Zaid verhaftet wurde und die Umstände seiner Verhaftung. Herr Zaid hatte am 1.10. einen Termin bei seinem Rechtsanwalt in Hassi Messaoud. Kurz vor der Stadtgrenze wurde er von Polizisten aus einem Bus gezerrt, geschlagen, getreten und gedemütigt – berichten Augenzeugen. Herr Zaid darf die Stadt Hassi Messaoud auf Grund seiner Aktivitäten nicht betreten. Derzeit läuft eine Eingabe an den UN-Sonderbeauftragten und auch die Grünen in Frankreich haben eine Klage beim Europa-Parlament in Brüssel eingereicht. Eine Online-Petition die am 2.10. erstellt wurde, beläuft sich momentan auf fast 1000 Unterschriften. Yacine Zaid, der Held der niemals einer sein wollte……

Gerichtstermin für Yacine Zaid: Ouargla Montag den 8.10.2012

Von Birgit Manzke

Algerien: Seit den frühen Morgenstunden sind nun nähere Angaben über das Verschwinden von Yacine Zaid bekannt. Er wurde am 1.Oktober kurz vor der Stadtgrenze von Hassi Messaoud (800 km südlich von Algier), von drei Polizisten aus einem Bus gezerrt, geschlagen, getreten und gedemütigt – berichten Augenzeugen. Anschließend wurde Herr Zaid von Geheimdienstleuten in einen weißen Nissan 4×4 gezerrt und auf unbekannt verschleppt. Herr Zaid hatte einen Termin bei seinem Rechtsanwalt in Hassi Messaoud, wo er wegen einer missbräuchlichen Kündigung seines Arbeitsplatzes, gegen ein ausländisches Unternehmen geklagt hatte. Herr Zaid hat auf Grund seiner Aktivitäten Einreiseverbot in der Stadt Hassi Messaoud. Was macht diesen Mann so gefährlich, dass er ständig verhaftet oder vor Gericht steht? Diese Frage ist leicht zu beantworten. Herr Zaid ist ein wahrer Kämpfer, sein Willen ist ungebrochen. Er koppelt Intelligenz mit Stärke und diese Mischung ist explosiv, für eine Regierung die es verhindern will, dass schmutziges Treiben an die Öffentlichkeit gelingt. Genau dazu ist Herr Zaid jedoch fähig. Seine Aufgabe liegt nicht allein darin Leute zu mobilisieren gegen Ungerechtigkeit vorzugehen, sondern er trägt Skandale auch nach außen und informiert Europa über die schrecklichen Dinge, die in Algerien passieren. Er hat sich ein Netzwerk von Hilfsmöglichkeiten aufgebaut: Eigener Youtube-Kanal, Webseiten und er verfügt über ein breites Spektrum von Kontakten nach Europa wie z.B. Front Line Defenders. In diesem Monat wollte er wieder nach Europa reisen, um über Menschenrechtsverletzungen in Algerien zu sprechen. Auch im vergangenen Herbst, hatte man ihn kurz vor seiner Abreise in die Schweiz festgenommen. Im Mai hielt er Reden über Menschenrechtsfragen in der Schweiz und in Frankreich (Siehe Foto). Unmittelbar nach seiner Rückkehr nach Algerien erhielt er eine gerichtliche Vorladung und wieder stand er wegen Nichtigkeiten am Pranger. Es bleibt zu hoffen, dass die Welt die Problematik in Algerien endlich wahrnimmt und Druck ausübt, damit nicht weiterhin Menschenrechtsaktivisten zu Schaden kommen.

Nachtrag: Yacine Zaid wurde heute , um 13.15 Uhr, dem Gericht von Ouargla vorgeführt: Vorwurf „Missachtung der Polizei“! Seine Verhandlung wird am Montag dem 8.10. sein, bis dahin bleibt er in Polizeigewahrsam. 40 Verhaftungen alleine in Laghouat bei Demonstrationen für die Freiheit von Yacine Zaid., weitere Demonstartionen sind geplant u.a. heute um 17.30Uhr in Algier, organisiert von der Menschenrechtsbewegung MJIC!

von Birgit Manzke

Am heutigen Vormittag wurde Yacine Zaid, Präsident der Menschenrechtsorganisation LADDH (Kommune Laghouat) und Mitglied der Gewerkschaft SNAPAP, verhaftet. Er war auf dem Weg zum Department of Hassi Messaoud. Nach Angaben des Sohnes von Herrn Zaids Begleiter, wurde Yacine Zaid bei seiner Verhaftung gedemütigt, geschlagen und getreten. Herr Zaid und drei weitere Menschenrechtler wurden erst am vergangenen Dienstag dem Gericht von Bab El Oued/Algier vorgeführt und das Gericht erklärte sich selbst für inkompetent, den Fall zu verhandeln. Die Welt atmete auf. Der französische Fernsehsender France 24 berichtete von einem – nie dagewesenen Erfolg – für die algerische Menschenrechtsbewegung. Noch vor vier Tagen konnte ich mit Herrn Zaid sprechen und er war zufrieden über den Ausgang der Verhandlung. Das von mir verwendete Foto zeigt Herrn Zaid, bei einer Verhaftung im Februar 2011. Dieses Foto spricht Bände. Die Polizei präsentierte stolz, das gefangene Tier Yacine Zaid, vor der Kamera. Dramen spielten sich in Algerien ab und dies nicht nur für Yacine Zaid. Abdelkader Kherba, ein junger Mann der 22 Tage im Hungerstreik im Gefängnis war, wurde zwar erst kürzlich freigesprochen, jedoch traut er sich – aus Angst vor dem algerischen Geheimdienst DRS, seit seiner Freilassung nicht mehr nach Hause. Er schläft immer wieder bei Freunden, außerhalb seines Wohnortes. Das Geld wird knapp und Herr Kherba ist physisch derzeit schlimmer gestellt, als direkt nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis, nach 22 Tagen Hungerstreik. Es ist nicht nachzuvollziehen, was ein gerichtlicher Freispruch bedeutet, wenn Menschenrechtler anschließend von der Polizei und dem Geheimdienst gejagt werden. Der algerische Geheimdienst schaltet sich seit Wochen in die Kommunikation zwischen mir und den Menschenrechtlern. Internetverbindungen werden massiv gestört und Nachrichten kommen nicht an. Rückblickend ist anzumerken, dass der Fall Yacine Zaid und Abdelkader Kherba in engem Zusammenhang stehen. Die am 25.09. erfolgte 15-minütige Gerichtsverhandlung, um Yacine Zaïd (LADDH, SNAPAP), Lakhdar Bouzini (SNAPAP), Abdou Bendjoudi (MJIC) und Othmane Aouameur (RDLD), bezog sich auf eine Demonstration für die Freilassung des im April erstmals verhafteten Abdelkader Kherba.