Von Birgit Manzke

Seit Wochen hält der Fall Abdelkader Kherba Algerien in Atem, kaum ein Tag vergeht, an dem nicht in den algerischen Medien über ihn berichtet wird. Die Staatsanwaltschaft von Ksar Boukhari forderte am gestrigen Tage 1 Jahr Haft und 20.000 DA Geldstrafe für Herrn Kherba. Der Prozess gegen ihn begann in den frühen Morgenstunden und zog sich bis mittags 13.50 Uhr hin. Die endgültige Urteilsverkündung  wird am 11.09.2012 erwartet. Herr Kherba hatte am 21.08. gegen die andauernde Wasserknappheit in Ksar Boukhari demonstriert und die Demonstration auch gefilmt – das Filmen an sich ist bereits eine Straftat. Dies war der Grund, warum er am 22.08. verhaftet wurde. Die Dinge spitzen sich zu, immer neue Anklagepunkte werden aus der Mottenkiste gezaubert. Gegen Herrn Kherba wurde nun auch noch Anklage wegen Beleidigung eines Mitarbeiters der Präfektur Ksar Boukhari erhoben. Herr Kherba soll den Kläger als:„Behinderten und Hund des Chefs der Präfektur“, beschimpft haben. Was kommt als Nächstes? Hat er Präsident Bouteflika wohl eventuell ein Ei an den Kopf geworfen und keiner weiß es? Nun, in diesem Fall wird die Welt es in Kürze erfahren, denn es scheinen ja immer neue Dinge aufzutauchen. Nachweislich hatte sich Herr Kherba  zu dem Zeitpunkt – den der Kläger angibt – nämlich am 3.06., nicht in Ksar Boukhari aufgehalten, sondern war bei einem Treffen der Gewerkschaft SNAPAP in Algier – vier Zeugen konnten dies bestätigen. Der Kläger wies lediglich zwei Zeugen vor, die sich ständig in Widersprüche verhaspelten – so einer der Anwälte von Herrn Kherba. Die Dinge sind mittlerweile so verworren, dass man eigentlich nur noch daraus schließen kann, dass hier dringend Gründe gesucht werden, um Herrn Kherba hinter Gittern zu halten. Rückwirkend ist anzumerken, dass besonders im Monat Ramadan die Bevölkerung unter dem andauernden Wassermangel litt  und kein Ende in Sicht war„. Einige Stadtteile hatten fast 3 Monate kein Wasser“, teilte der Bruder von Herrn Kherba der algerischen Zeitschrift El Watan mit, „für meinen Bruder war das ein nicht hinzunehmender Zustand.“ Herr Kherba ist in mehreren Menschenrechtsorganisationen engagiertes Mitglied, unter anderem in Ligue Algérienne pour la Défense des Droits de l’Homme (LADDH) und Comité National pour la Défense des Droits des Dhômeurs (CNDDC) sowie der Gewerkschaft SNAPAP. Bereits im April wurde Herr Kherba verhaftet und für mehrere Wochen inhaftiert und schon damals war sein Vergehen, andere Menschen zu unterstützen, Arbeiter, die in ihrem Betrieb eine Gewerkschaft forderten. Am 3. Mai verurteilte man ihn, zu einer Geldstrafe von 20.000 DA und einem Jahr Gefängnisstrafe – ausgesetzt auf Bewährung. Es ist derzeit schwer abzuschätzen, in welche Richtung der Fall Kherba sich entwickeln wird, denn in diesem Prozess geht es um Willkür mit dem Ziel, Führungsköpfe einiger Menschenrechtsorganisationen zu Fall zu bringen. Gemeint sind hierbei Yacine Zaid (LADDH, SNAPAP), Abdou Bendjoudi (MJIC), Othmane Aouameur  (RDLD) und Lakhdar Bouzini (SNAPAP), deren Verhandlung am 27.09.2012 in Algier folgen wird. Diese vier Männer hatten im April in ihren Organisationen zur Demonstration aufgerufen und selbst teilgenommen, um die Freilassung von Abdelkader Kherba zu fordern. Schon während ihres Protestmarsches, in Richtung Gerichtsgebäude (Algier), wurden alle vier Menschenrechtler verhaftet. Auch am gestrigen Tag gab es friedliche Demonstrationen, vor dem Gerichtsgebäude von Ksar Boukhari. Demonstranten forderten die sofortige Freilassung von Abdelkader Kherba. Herr Kherba befindet sich seit nunmehr 15 Tagen im Hungerstreik, „sein Willen ist ungebrochen“, teilte sein Anwalt Salah Dabouz mit, „jedoch sein physischer Zustand ist alarmierend“. Herr Dabouz hegt regelmäßigen Kontakt zur Familie von Herrn Kherba und auch zu Herrn Kherba selbst. Auf der sozialen Plattform Facebook, machen sich derzeit große Wellen des Protestes breit. Kaum ein Algerier, der nicht Flagge zeigt und das Foto von Herrn Kherba in sein Profil postet. „Freiheit“ fordern sie. Rund um den Globus nimmt man am Schicksal von Herrn Kherba teil, sei es der algerische Fernsehjournalist aus Dubai oder algerische Journalisten von France 24, selbst tunesische Journalisten bekunden Anteilnahme und wollen helfen. 12 Anwälte stritten gestern, im Gerichtsgebäude von Ksar Boukhari, um die Rechte ihres Mandanten, es bleibt nur zu hoffen, dass im Laufe der Monate, nicht einige von ihnen wieder einmal unter Vorwand und falschen Anschuldigungen  verhaftet werden – wie bereits geschehen im Jahre 2008 bei dem bekannten Menschenrechtsverteidiger Rechtsanwalt Amine Sidhoum.

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