Tätlicher Angriff auf ein Gebäude der algerischen Gewerkschaft SNAPAP

Veröffentlicht: 27. Juni 2012 in Algerien, Maghreb, Nordafrika, Politik, Uncategorized
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von Birgit Manzke

Am gestrigen Tag kam es gegen 1.00 Uhr nachts zu Angriffen auf ein Gebäude der algerischen Gewerkschaft SNAPAP. Ich selbst habe diesen Übergriff via Webcam miterleben müssen, als ich im Gespräch mit Farouk D. war. Große Steine flogen durch die geöffneten Fenster einer Halle und knallten auf den Boden oder gegen die Mauern des Gebäudes. SNAPAP ist der oberste Dachverband aller Gewerkschaften in Algerien und somit beliebtes Angriffsziel für Menschenrechtsgegner in einem totalitären Regime. Es ist keine Seltenheit, dass algerische Gewerkschafter in den Räumlichkeiten ihrer Gewerkschaft übernachten müssen – so auch in diesen Tagen. Es ist die einzige Möglichkeit ihre Familien zu schützen – besonders in Zeiten von Aktivitäten. „Wir haben Probleme mit dem Geheimdienst“, sagte Farouk D. gestern Nacht. „Sie setzen Leute unter Druck, uns das Leben zur Hölle zu machen, dies ist nur ein kleiner Auszug von dem, was wir fast täglich erleben.“ Farouk sprang immer wieder auf die Sachlage zu checken und sich mit seinen Kollegen zu besprechen. Dämmerbeleuchtung via Taschenlampe, einen alten Laptop auf dem Schoss – so, setzten wir später das Gespräch fort. „Farouk, warum machen die Leute so was?“, fragte ich schockiert. „Es gibt vielerlei Gründe“, meinte er, „die Leute bekommen dafür Lebensmittel oder sie bekommen Geld oder werden für eigene Missetaten nicht bestraft.“

Das Leben für algerische Menschenrechtler ist hart, man beschimpft sie als Terroristen, verfolgt und verhaftet sie – oft verlieren sie alles: Job, Familie, Freunde…. einfach ihre komplette Lebensgrundlage. Wer einmal rechtskräftig verurteilt wurde, hat kaum noch ein Chance in diesem Land wieder auf die Beine zu kommen und eine Verurteilung von Menschenrechtsaktivisten ist in Algerien an der Tagesordnung. Banale Gründe werden als Vorwand benutzt, um Menschenrechtler und Gewerkschafter mundtot zu machen – besonders nach der Parlamentswahl im Mai 2012 haben derartige Verhaftungen und Verurteilungen zugenommen.

Das Gespräch wurde gegen 1.30 Uhr unterbrochen, was dann geschah, weiß ich nicht!

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